Dienstag, 17. Februar 2009

Satt und verfallen


Ich hab sie so satt.
Sie bewegen sich mit den immerselben Schritten zur immerselben Musik.
Ihre Gesten sind auswendig gelernt, manipuliert, und ich bin Teil davon,
und deswegen hasse ich sie immer noch mehr, weil ich Teil von ihnen bin.
Dieselbe Art die Brust rauszustrecken und den Macker zu spielen.
Dieselbe beschissene Art, den Kopf hin- und herzuwackeln, den Takt auf Perfektion folgend,
ohne Seele, ohne Individualität, der Tanz der Roboter.
Immer dieselbe Musik, seit mehr als 25 Jahren jetzt und ich bin müde.
Der Geist ist rastlos, aber er tritt auf meinem Laufband, in derselben Geschwindigkeit,
ermüdend, nicht vitalisierend.
Dieselbe Art sich betrunken zu verlieren. Neue Wimperntusche, wie neue Kleidung und neues verbessertes Waschmittel.
Lässig die verfickte Kippe in der Hand, ohne die geht eh nix. Der einzige Halt im Vertigo einer hohlen Gesellschaft.
Sexappeal wie bunt bedruckte T-Shirts. 1 Stunde vorm Spiegel bis ich endlich das Shirt gefunden habe, dass zu meinen Karovans passt. Volcom. Beschissen auch.
Und Du schaust mich an, hohl und verloren und treibst mir einen Schauder über den Rücken, denn Du erinnerst mich an mich, bist ein schwarzes Loch, saugst Materie, Gefühl und Freude ein und gibst nichts zurück.
Vor einer halben Stunde warst Du noch hübsch anzusehen, mit Deinem geflochtenen Haarkranz, ganz Mädchen, ganz Frau, so wie ich es mag. Hast gelacht und linkisch zu Deinem Angebeteten gelächelt, und er konnte nichts erwidern, wie hier niemand was erwidern kann.
Warst schön geschminkt, fein anzusehen und wurdest immer schwächer, kleiner, trauriger und besoffener. Dein schlichtes Kleid sog sich voll an Deiner Leere und Du verkümmertest.
Bis Deine Erscheinung so schwer war von Leere und Trauer und billigem Alkohol. Und Du gingst unter. Nicht schwerelos. Wie ein Kieselstein, der ins Wasser geworfen wird. Zwei- dreimal schaffst Du es, die Oberfläche zu streifen, springst wie leicht auf und ab und versinkst am Ende doch gnadenlos schnell in die Schwärze des Sees.
Jetzt heulst Du. Für alle hier wie es scheint. Ich kann nicht, ich hab genug damit zu tun mit Dir mitzuleiden und die Hinterlassenschaften Deinesgleichen wegzuräumen.
Du tust mir nicht mehr leid, es war zu offensichtlich wohin Dich dieser Abend treiben würde, aber mich schmerzt jede Menschenseele, die sich so wie Du zum Abgrund schleppt.
Du hast gute Freunde. Immerhin. Sie streicheln Dich, verhöhnen den Alkohol in Deinen Venen, aber Du spürst nichts mehr.
Du bist da angekommen, wo ich schon lange bin. Sei willkommen. Ich liebe Dich.

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