Samstag, 20. September 2008

Die Zeit...


Und plötzlich sitzt man da. Und du redest mit deinem Vater, über die Kinder und die Gesundheit und das Altern. Und du merkst, dass viel Zeit vergangen ist, viel vertane Zeit, zu wenig Zeit zusammen, und Du fühlst seine Einsamkeit weil es deine ist. Und du wärst so gerne so verdammt nah, denn das Gefühl was Dich umhegt ist einzigartig und schauerlich schön und das möchtest Du mit einer festen Umarmung versiegeln, aber du kannst es nicht.

900 km Glasfaser.

Und die Tränen laufen und laufen und nichts kann sie stoppen. So viel vertane Zeit. Soviel Enttäuschung und Schmerz und Wut wo hätte Liebe sein können, und soviel Hass und Trauer wo hätte Zärtlichkeit sein können, und die Tränen sie laufen und die Welt um einen herum verschwimmt und löst sich auf. Was bleibt ist dieser Klotz, der Tod, der Kreislauf, und das nächste Kapitel tut sich auf, es schläft im Nebenzimmer und ahnt nicht wie unerbittlich alles sein wird. Und die Chance es besser zu machen schützt sie nicht davor zu straucheln und sich zu derrappeln. Und wer zur Hölle sagt es sei gut so weil es ist wie es nunmal ist? Verdammt seist Du! "Wenn es kommt, dann soll es schnell sein", sagt er... und im inneren schreit alles:"NEIN!" "Bitte bleib für immer, ich liebe dich! Lass mich nicht der nächste sein! Lass uns ewig Vater und Sohn sein!" und die Tränen laufen und kullern und brennen im Aug.

Ich wär so gern glücklich, und befreit und ein wenig weise, aber ich fühl mich dumm und hilflos und ein wenig tot bereits. Es gibt noch so viel zu sagen, aber muss man es aussprechen? Dass ich Dich liebe, Vater? Dass DU mir näher bist als alles andere? Dass ich mich verzehre nach Deiner Nähe, dass ich sterben möchte mit Deiner lieben Hand auf meiner Stirn? Dass nicht ich es sein möchte, der Deine zittrige Hand hält und Dir ins Ohr flüstert, dasses gut ist, dass alles in Ordnung ist... was ist da schon in Ordnung? Dass Du gehen musst? Mein Fluch und mein mahnendes Stimmchen im Ohr: "Verzage nicht, mach es besser!"

Ich versuchs, mein lieber, ich versuchs so verdammt hart. Die Zeit rinnt, und verdampft, Wasser in der Sonne, bis nichts mehr bleibt. Und die Tränen laufen und schmerzen, bis nichts mehr bleibt. Ich geh mich jetzt ablenken, hat er gesagt, irgendein Spiel sehen im Fernsehen, und beide wussten nur zu gut warum. Denn wir sind uns eins, rasen durch die Zeit durch das Meer der Einsamkeit und wissen doch, dass es uns gibt, und dass alles gut ist. In echt.

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